TECHNIKVERLIEBT
HONDA LEGEND 3,5 VTEC V6
FÜHRUNGSEBENE
Ohne Prestige ganz nach oben?

Honda Legend.
Schon alleine der Name verpflichtet zu höheren Aufgaben und man kann kaum sagen, daß sich Honda nicht bemüht, dem auch gerecht zu werden. Seit rund 17 Jahren gibt es die Oberklasselimousine Legend, seit rund 17 Jahren zerbrechen sich die japanischen Ingenieure den Kopf, wie sie der deutschen Konkurrenz, die in der Oberklasse eindeutig die Führungsebene diktiert, nahe kommen können – überholen dürfte bei dem eklatanten Absatzzahlen-Unterschied selbst auf lange Sicht ohnehin nicht drin sein.
Daß die Söhne Nippons mit der neuesten Auflage ihrer Luxuslimousine allerdings gleich einmal den Preis in die Höhen ihrer Vorbilder schießen, mag auf den ersten Blick überraschen. Auf den zweiten Blick relativiert sich dieser Umstand wieder, ist der neue Legend doch unter seinem zurückhaltend gezeichneten Blechkleid vollgestopft mit einem leistungsstarken Motor, feinster Technik, zahlreichen Innovationen und luxuriöser Ausstattung – serienmäßig, versteht sich! Eine Aufpreisliste sucht man für die 66.800,- Euro teure Limousine demnach vergebens, alle denkbaren Extras sind bereits an Bord.
Oben
Besonders hervorzuheben wären dabei das wirklich wunderbare BOSE-Soundsystem oder das DVD-Navi, das mit einem Drehknopf in der Mittelkonsole intuitiv zu bedienen ist. Bei Bedarf können Funktionen mit einer Sprachsteuerung aufgerufen werden, Bluetooth ist ebenso selbstverständlich wie eine Rückfahrkamera. Doch diese Flut an elektrischen und elektronischen Helfern führt auch zu Problemen: Nicht, weil sie nicht funktionieren sondern weil Honda beschlossen hat, für beinahe jede Funktion ein eigenes Knöpfchen zu verbauen.
Es ist sicher, daß zentrale Bedienelemente mit nur einem oder ganz wenigen Knöpfen ebenfalls Nachteile haben – allerdings befinden wir 16 Schalter alleine am Lederlenkrad als beinahe zuviel des Guten… Unabhängig davon ist das Design des Innenraumes gelungen. Elegante, schwungvolle Linien, edle Materialien und gut mit den Leder- bzw. Holzakzenten abgestimmte Farben ergeben ein harmonisches Gesamtbild, dazu passend ist die Verarbeitung wirklich erstklassig. Ein Extra-Lob verdienen sich das feinste Ledergestühl (vorne sogar inklusive Sitzbelüftung!) und die wunderschönen, hinterleuchteten Armaturen.

In Sachen Sicherheit stechen zwei Innovationen besonders ins Auge: Der serienmäßige adaptive Tempomat ACC (Adaptive Cruise Control) sowie das präventive Fahrerassistenzsystem CMBS (Collision Mitigation Braking System). Beides von der Grundidee her gut gelungen, geht einem aber vor allem der überempfindliche Tempomat bald einmal auf die Nerven, wenn er auf der Autobahn zum x-ten Mal abbremst, obwohl der Vordermann noch hunderte Meter entfernt ist. Besonders bitter: Eine „normale“ Tempomat-Funktion gibt es nicht.
Oben
Die wohl beste Innovation im Legend ist der „Super Handling Allwheel Drive“, kurz SH-AWD. Das komplizierte Allradsystem verhilft der knapp zwei Tonnen schweren Limousine zu einem leichtfüßigen Fahrverhalten, indem es (vereinfacht gesagt) bei einem durchdrehenden Rad, für das jeweils andere Rad auf derselben Achse noch mehr Kraft zur Verfügung stellt – der Rallyesport läßt grüßen! Obwohl Honda ja eher der Fomel 1 zugeneigt ist. Die Folge sind unglaublich dynamische Kurvenfahrten und richtiger Fahrspaß auf anspruchsvollen Strecken, das eher straff abgestimmte Fahrwerk paßt da eigentlich gut dazu.

Für den richtigen Vortrieb sorgt ein 3.5 Liter großer V-Sechszylinder, der erstaunlich laufruhig arbeitet, seine Kraft sehr sanft entfaltet und dennoch ganz anständig Leben in die Bude bringt, etwa in jenen 7,3 Sekunden, die von null auf 100 km/h vergehen. 295 PS würde man dem Legend trotzdem nicht zutrauen, was möglicherweise an der etwas in die Jahre gekommenen Fünfgang-Automatik liegt, die nicht ganz so sanft schaltet, wie erhofft. Dennoch ist der Honda Legend ein insgesamt irrsinnig perfektes Auto geworden, dem nur noch Nuancen auf die Führungsebene fehlen. Um so ärgerlicher, daß ohne Prestige nach wie vor nichts geht.
Oben
TOP & FLOP

TOP:
enorme Serienausstattung,
generell sehr laufruhig und leise,
ein beeindruckender Allradantrieb

FLOP:
beinahe zu straff abgestimmt,
Knopferl-Flut im Cockpit,
etwas träge Automatik

DATEN:
Preis: € 66.800,-

Sicherheit: Fahrer- und Beifahrerairbag, Seitenairbags vorne, Kopfairbags vorne und hinten, Dreipunkt-Gurte auf allen Plätzen (vorne höhenverstellbar mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer), höhenverstellbare Kopfstützen auf allen Plätzen, ISOFIX-Kindersitzhalterungen hinten, adaptives Kurvenlicht (AFS), Fahrzeugstabilisierungsprogramm (VSA), Pop-Up-Hood (aktive Motorhaube für den Fußgängerschutz), Fahrerassistenzsystem (CMBS),
Verbrauch/Drittelmix*: 11,9 l,
Beschleunigung 0-100 km/h*: 7,3 sec.,
Vmax*: 250 km/h (elektronisch abgeregelt),
Motor: 6-Zylinder in V60°, vorne längs, Leichtmetall-Zylinderkopf und- block, 4 Ventile/Zylinder, 2xDOHC, Zahnriemen, 5fach gelagerte Kurbelwelle, elektronische Einspritzung Honda PGM-FI, variable Ventilsteuerung VTEC,
Hubraum: 3.471 cm3
max. Leistung: 295 PS/217 kW bei 6.200/min-1
max. Drehmoment: 351 Nm bei 5.000/min-1
Treibstoff: 95 ROZ,
Kraftübertragung: 5-Stufen-Automatik, Allradantrieb,
Radaufhängung: v-Double- Wishbone-Einzelradaufhängung, h-Multi-Link-Einzelradaufhängung, v/h-Stabilisator, Schraubenfedern, Teleskopdämpfern,
Bremsen: Scheiben, v-innenbelüftet, ABS mit EBD und Bremsassistent,
Bereifung: 235/50 R17,
Gewicht: 1.920 kg,
L/B/H: 4.957/2.120/1.452 mm,
Tankinhalt: 73 l,


* Werksangaben
  Zurück Oben
 Druckansicht